Lebensgeschichten … Menschen vom Projekt Emmanuel, Soddo Äthiopien

Die Mitglieder der Gruppe Emmanuel erzählen aus ihrem Leben. 1001 Fragen wurden ihnen gestellt: wie heisst du, wo und wie bist du aufgewachsen, welche Ursache hat deine Behinderung, welche Erfahrungen hast du mit deinem Handicap gemacht? Wie bist du nach Soddo gekommen, wie bist du zur Gruppe Emmanuel gestossen? Was ist deine Arbeit bei Emmanuel? Welches sind deine Visionen für die Zukunft, was macht dir Sorgen?

Möchtest du uns sonst noch etwas weitergeben? Hier einige Antworten.

 

 

Birhanu Simon

Er wurde in Soddo geboren, als viertes Kind einer grossen Familie (er hat 5 Brüder und 3 Schwestern). Er erkrankte an Kinderlähmung (Polio) und wurde gelähmt. Seine Eltern leben noch, seine Mutter ist Hausfrau, sein Vater Bauer. Birhanu hat 10 Jahre die Schule besucht, jedoch nach Abschluss (das war vor 4 Jahren…) keine Arbeit gefunden – weil er behindert ist. Nun arbeitet Birhanu Simon in der Werkstatt bei Emmanuel und ist nicht mehr vom Unterhalt seiner Eltern abhängig. Seine Vision ist es, anderen behinderten Menschen zu helfen, damit sie Arbeit finden, statt auf der Strasse zu leben und betteln zu müssen. Er will seine Fähigkeiten weiterentwickeln, speziell zur Herstellung von Rollstühlen und handangetriebenen Velos für Behinderte. Und dann andere Behinderte ausbilden, die noch auf der Strasse betteln, weil sie keine Arbeit haben.

 

Asrat Dana

Er wurde im Bezirk Soddo geboren, er ist 24 Jahre alt und wegen Polio gelähmt. Er hat 4 Brüder und 2 Schwestern, sein Vater starb, als er 14 jährig war. Seine Mutter arbeitet als Taglöhnerin. Nach dem Tod seines Vaters begann Asrat Dana auf den Strassen zu betteln. Heute ist er Mitglied von Emmanuel und arbeitet als Strassenverkäufer. Seine Vision ist es, der Gesellschaft zu zeigen, dass behindert zu sein nicht heisst, unfähig zu sein. Dass Behinderte fähig sind, selbst zu arbeiten, ihr Leben in die Hand zu nehmen und ihr Schicksal zu verändern.

 

Tademe Lera

Er wurde im weit entfernten Dorf Areka, Region Wolayita, geboren. Heute ist er 33 Jahre alt, gelähmt wegen Polio, Kinderlähmung. Er hat 2 Brüder und 3 Schwestern, er ist der Älteste der Geschwister. Seine Eltern leben noch, sie sind Bauern. Vor neun Jahren hat Tademe Lera geheiratet, er hat zwei Söhne und eine Tochter. Bevor er zur Gruppe Emmanuel kam, war das Leben für ihn und seine Familie sehr schwierig. Seine Kinder konnten nicht zur Schule gehen, weil Papa keine Arbeit und kein Einkommen hatte als Behinderter. Nun arbeitet er in der Werkstatt von Emmanuel und freut sich, seine Kinder nächstes Jahr zur Schule schicken zu können!

 

Aklilu Enjiro

Er wurde in Boditi Town, einem kleinen abgelegenen Dorf in der Region Wolayita geboren. Weil er an Kinderlähmung erkrankte und fortan gelähmt war, zog er in die Provinzhauptstadt Soddo, um zu betteln. Dort verbrachte er sehr schwierige Jahre, allein auf sich gestellt, auf der Strasse. Er ist 24 Jahre alt, hat einen Bruder und 2 Schwestern. Seine Eltern leben noch, sie arbeiten als Landbauern in Boditi. Er wurde von der Dorfgesellschaft verstossen, als Kind durfte er nicht mit den anderen Kindern spielen. Sein grösstes Anliegen ist es, der Gesellschaft zu zeigen, dass auch Behinderte arbeiten und ihr Leben verändern können. Er arbeitet heute in der Werkstatt von Emmanuel mit und unterstützt zudem seine Familie von seinem kleinen Einkommen. Er ist dankbar, dass sich in seinem Leben viel zum Guten gewendet hat.

 

Tamrat Thomas

Er wurde in Kindo Didaye geboren, ist heute 35 Jahre alt. Er hat 2 Brüder und 4 Schwestern. Seine Eltern leben noch, Mutter ist Hausfrau, Vater Landwirt. Infolge Polio ist er gelähmt, konnte jedoch die Schule besuchen. Vor 2 Jahren hat Tamrat Thomas geheiratet und hat einen kleinen einjährigen Sohn. Es gibt sehr viele Behinderte, die wegen ihres Handicaps nicht zur Schule gehen können oder dürfen. Tamrat Thomas‘ Vision ist es, in sein Heimatdorf zurückzukehren. Dort will er behinderten Kindern und Jugendlichen helfen, die nicht zur Schule gehen können, weil sie kein Fahrzeug oder Hilfsmittel haben. Ebenfalls will er den Eltern zeigen, wie sie ihre behinderten Kinder zuhause lehren und ausbilden können. Nicht zuletzt träumt er von einem Haus für obdachlose Behinderte und von Transportfahrzeugen, damit die gelähmten Menschen mobiler sind. Er arbeitet in der Werkstatt von Emmanuel, wo Krücken, Rollstühle und handbetriebene Fahrräder hergestellt werden.

 

Belay Techa

Er wurde in Bedesda, einer Stadt im Distrikt Wolayita geboren. Er ist 27 Jahre alt und leidet an Kinderlähmung. Er ist der Älteste der Familie, sein Vater starb an einem Autounfall, als Belay Techa 6 jährig war. Ohne Vater wurde das Leben für seine Familie sehr schwierig. Seine Mutter dachte, sie müsse wieder heiraten, um ein Familienoberhaupt zu finden. So heiratete sie 4 Jahre nach dem Tod des ersten Ehemanns erneut, und bald darauf gebar sie Belay’s Stiefvater einen Sohn. Nach einiger Zeit wurde der Stiefvater sehr grob zu Belay, weil er in der Landwirtschaft wegen seiner Behinderung nicht mitarbeiten konnte und so zu nichts nütze war. Als Belay 13 jährig wurde, trennten sich seine Eltern wieder. Seine Mutter begann als Tagelöhnerin zu arbeiten, um die Familie durchzubringen. Belay konnte die Schule bis zum 10. Jahr besuchen, wegen seiner Behinderung fand er aber anschliessend keine Anstellung. Heute arbeitet er in der Werkstatt von Emmanuel, und kann sogar seine Mutter mit kleinen Beiträgen unterstützen.

 

Arage Haile

Er wurde in der Region Amphara geboren, heute zählt er 60 Jahre. Er hat 2 Brüder und eine Schwester. Hier in Soddo lebt er allein, ohne Familienangehörige. In seiner Heimat war es schwierig, nachdem er ein Christ geworden war. Darum zog er nach Soddo. Seit einem schweren Sturz auf den Boden leidet er an einem Problem von Hüfte& Becken, womöglich ein schlecht verheilter Knochenbruch. Lange war er auf einen Rollstuhl angewiesen, welchen er sich aus einem Plastikgartenstuhl und Rädern hergestellt hatte. „Doch Gott hat ein Wunder an mir getan“, erzählt er, „plötzlich konnte ich mit Hilfe eines Stockes ohne Rollstuhl gehen!“. Inzwischen ist es 11 Jahre her, seit Arage Haile nach Soddo zog. Er lebt in einer Sozialwohnung der Regierung. Die Behausung war eine baufällige, einsturzgefährdete Lehmhütte, bevor sie mit Unterstützung durch Emmanuel renoviert werden konnte. Arage Haile lebt ganz auf sich allein gestellt, ohne Familie. Doch inzwischen wurden die Mitglieder der Behindertengruppe seine Familie. Er arbeitet in der Werkstatt von Emmanuel, er ist ein begabter Handwerker.

 

Tilahun Asha

Er wurde in Soddo geboren. Er ist 27 Jahre alt und hat drei Brüder und zwei Schwestern. Er ist infolge Polio gelähmt. Seine Eltern leben noch und arbeiten als Bauern auf dem Land. Seine Vision ist es, in Zukunft seiner Familie zu helfen. Er arbeitet in der Werkstatt von Emmanuel. Sein grosser Traum sind ein Haus für obdachlose Behinderte und Transportmöglichkeiten wie Rollstühle, Krücken, Bikes und Taxis.

 

Dawit Darilo

Er kam in der Stadt Bedesda, Wolayita als drittes Kind der Familie zur Welt, hat 2 Brüder und 2 Schwestern. Infolge Polio ist Dawit Darilo gelähmt. Das Leben ist für Behinderte in Äthiopien oft sehr hart, da sie oft nicht zur Schule gehen können, keine Ausbildung und Arbeit erhalten und – ohne Hilfsmittel – sehr schlecht mobil sind. Auf dem Boden kriechend oder an Stecken hinkend können sich Gehbehinderte kaum frei bewegen. Heute ist er 25 jährig. Seine Vision ist es, anderen jungen Behinderten zu helfen. Damit sie nicht ebenfalls ein so hartes Schicksal erleben wie er selbst. Er will ihnen zeigen, dass sie durch harte Arbeit und grossen Einsatz ihr eigenes und das Leben ihrer Familien verändern können. Sein grösstes Anliegen ist es, Hilfsmittel wie Krücken und Rollstühle herzustellen und Transportmöglichkeiten für Behinderte zu schaffen. Dawit Darilo arbeitet heute als Strassenverkäufer bei Emmanuel.

 

Tesfaye Asele

Er wurde als Bruder von 2 Schwestern vor 26 Jahren in der Stadt Soddo geboren. Seine Mutter starb, als er 7 jährig war. Sein Vater wollte nicht erneut heiraten. So vermisst Tesfaye Asele die Lieber seiner Mutter. Das Leben war sehr hart und herausfordernd nach dem Tod seiner Mutter – besonders für den wegen Polio gelähmten Jungen Tesfaye. Seine Vision ist es, Arbeitsmöglichkeiten für viele andere Behinderte zu schaffen, auch träumt er davon, eine eigene Unterkunft aufzubauen. Er arbeitet als Strassenverkäufer bei Emmanuel.

 

Dawit Mena

Er wurde im Städtchen Gunumo in Wolayita Region geboren. Er ist 28 Jahre alt, hat 4 Brüder und 2 Schwestern. Seine Eltern waren Bauern auf dem Land, sein Vater starb jedoch vor 2 Jahren.Weil er an Polio erkrankte, konnte er erst mit 12 Jahren in die Schule gehen, es gab keine Schule in der Nähe seiner Familie. Seine Vision ist es, in seinem Heimatdorf eine Schule zu bauen. Ebenso gehören Transportmöglichkeiten für Behinderte und Unterkünfte für Obdachlose zu seinen grossen Anliegen. Er arbeitet als Strassenverkäufer bei Emmanuel. Heute kann er sich selbst versorgen und seine Mutter unterstützen.

 

Desta Dea

Er wurde in Kambata, Region Wolayita geboren. Er ist 31 jährig und infolge Polio gelähmt. Er hat zwei Brüder, und seine Eltern leben noch. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt als Töpfer, werden jedoch in der Dorfgemeinschaft wegen ihrer Arbeit verachtet. Desta Dea hat vor drei Jahren geheiratet und hat ein Kind. Heute arbeitet er als Strassenverkäufer bei Emmanuel.

 

Tesfaye Gensa

Er ist 22 Jahre alt und wurde in der Stadt Soddo geboren. Er leidet seit Kindheit an Kinderlähmung. Er hat 3 Brüder und 4 Schwestern, seine Eltern sind Bauern auf dem Land. Seine Vision ist es, sich um Waisenkinder ohne Angehörige zu kümmern. Tesfaye Gensa arbeitet als Strassenverkäufer bei Emmanuel.

 

Bazinesh Ermias

Sie wurde in Areka, einem Dorf in Wolayita geboren. Sie ist 19 Jahre alt und leidet seit Kindheit an Polio. Sie hat 2 Brüder und eine Schwester. Ihre Eltern leben noch, aber sie ignorierten ihre behinderte Tochter komplett. So zog Bazinesh Ermias allein nach Soddo, wo sie anfänglich ganz allein auf sich selbst gestellt war. Sie hatte keine Angehörigen, die sie unterstützen, oder für ihren Lebensunterhalt aufkamen. Schliesslich erfuhr sie von Projekt Emmanuel und schloss sich der Gruppe an. Melese, der Leiter, half ihr, eine Unterkunft zu finden. Zuerst konnte sie die Nächte in einem Kiosk verbringen, der tagsüber in Betrieb war, schliesslich fand Melese ein günstiges Zimmer für Bazinesh und hilft ihr, die Mietzinse zu bezahlen. Ihre Vision ist es, behinderten Frauen auf der Strasse zu helfen. Denn sie weiss nur zu genau, wie viele behinderte Mädchen vergewaltigt werden, sich aus der Not heraus prostituieren, schwanger werden und Kinder kriegen, die sie dann – ohne Unterkunft und Einkommen, als alleinerziehende Mütter kaum versorgen können. Bazinesh will solchen Geschichten in ihrer Stadt ein Ende machen. Heute ist sie glückliche Mitarbeiterin im Coiffeursaloon bei Emmanuel.

 

Almaz Daka

Sie wurde im abgelegenen Dorf Humbo im Wolayita Distrikt geboren. Sie ist heute 25 Jahre alt und infolge Polio gelähmt. Sie hat eine Schwester und einen Bruder. Ihr Vater starb, als sie 9 jährig war, und ihre Mutter konnte sich nicht um alle drei Kinder kümmern. Ihre Mutter ging mit ihren drei Kindern auf die Strasse : betteln. Später wurden Almaz‘ Bruder und ihre Schwester von zwei Familien aufgenommen. Aber die behinderte Almaz liess man mit ihrer Mutter zusammen auf der Strasse, wo das Leben sehr herausfordernd war. Auch ihre Mutter verstarb vor einem Jahr. Almaz war allein. Inzwischen ist Almaz zur Emmanuel Gruppe gestossen und arbeitet ebenfalls im Coiffeursaloon. Sie ist glücklich- sie ist keine obdachlose Bettlerin mehr. Ihre Vision ist es, anderen behinderten Menschen zu helfen. Sie will keine mehr auf den Strassen betteln sehen, wie sie es einst zu tun gezwungen war. Heute hat sie ein glückliches Leben.

 

Aster Adela

Sie wurde in Soddo geboren, ist heute 35 Jahre alt. Sie ist wegen Polio gelähmt. Aster hat 2 Brüder und 4 Schwestern. Ihre Eltern leben noch, sie leben als Bauern auf dem Land, in grosser Armut. Aster konnte wegen ihrer Behinderung keine Arbeit verrichten, sie war nur eine Last für ihre Familie, die sie versorgen musste. Ihre Vision ist es, ihrer Familie zu helfen, die sich für sie aufgeopfert hatte. Zu ihren Kernanliegen gehören sichere Unterkünfte und Transportmöglichkeiten, Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung. Aster Adela arbeitet heute im Coiffeursaloon Emmanuel mit.

 

Aselefech Juna

Sie wurde in Soddo, Wolayita geboren. Sie ist 29 Jahre alt, ist seit Kindheit wegen Polio gelähmt. Sie hat 3 Brüder und 1 Schwester. Ihre Eltern leben noch, aber können sie nicht unterstützen und für ihren Lebenunterhalt sorgen. Ihr Vater ist Handwerker. Aselefech möchte heiraten und ein Kind haben – und ihr Kind in eine gute Schule schicken. Sie ist Mitarbeiterin im Coiffeursaloon bei Emmanuel.

 

Meskele Mamo

Meskele Mamo:
Sie wurde in Soddo Town, Wolayita geboren. Sie ist 40 Jahre alt. Mit 20 Jahren hatte sie einen Töffunfall und ist seither gelähmt. Sie hat 2 Brüder und eine Schwester. Ihre Mutter starb, als sie 15 jährig war. Ihre Familie lebt als Bauern auf dem Land. Meskele Mamo ist verheiratet und hat 2 Söhne und 1 Tochter. Teilzeitlich arbeitet sie als Evangelistin. Ihre Vision ist es, behinderten Menschen zu helfen durch Predigen der Guten Nachricht, in und um Soddo herum – damit sie innerlich stark werden. Meskele Mamo arbeitet daneben im Coffeursaloon bei Emmanuel und kann so für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen.
Almaz Medin: wie wurde in Boloso Sore geboren, ist heute 21 Jahre alt. Sie hat einen Bruder und 2 Schwestern. Sie ist wegen Polio gelähmt. Ihre beiden Eltern leben zwar noch, konnten sie jedoch nicht mit dem Nötigsten versorgen. Weil das Leben im Dorf so schwierig war, zog Almaz nach Soddo in die Stadt und lebte als Bettlerin auf den Strassen. Ihre Vision ist es, anderen Behinderten zu helfen, die wie sie selbst zu Hunderten vom Land in die Stadt fliehen, um zu betteln. Sie will ihnen aufzeigen, dass Betteln einen täglichen Kampf ums Überleben, ein Dahinvegetieren am Existenzminimum bedeutet. Und sie will alles daran setzen, weitere Arbeitsmöglichkeiten für behinderte Bettler zu schaffen. Almaz arbeitet bei Emmanuel im Coiffeursaloon und hat ein glückliches Leben.